Zwischen Widmung und Schweigen
Samstag, 31. Januar 2026, 19:30 Uhr

Franz Schubert
Klaviertrio B-Dur op. 99
Dmitri Schostakowitsch
Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67
Kammermusik zwischen Licht und Schatten
Zwei große Klaviertrios stehen auf dem Programm des heutigen Abends: Werke von Franz Schubert und Dmitri Schostakowitsch – einerseits unter verschiedenen Umständen geschrieben, andererseits verbunden durch eine gemeinsame innere Tiefe. Beide Komponisten schufen in sehr persönlichen Lebenskrisen Musik, deren Ausdruck und Form zu intensiven Seelenbildern verschmilzt, in musikalischen Sprachen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Beide gehen auf ganz eigene künstlerische Weise mit Erinnerung und Abschied um und setzen dadurch Leben und Werk in einen unausgesprochenen Dialog.
Franz Schubert komponierte sein Klaviertrio in B-Dur D898 im Jahr 1827, nur ein Jahr vor seinem Tod mit gerade einmal 31 Jahren. Trotz seiner schweren Erkrankung, finanzieller Sorgen und der sich konstant verdüsternden Lebensperspektive strahlt dieses Werk eine Ruhe, Leichtigkeit und Wärme aus, die zutiefst berührt. Es ist eines der zahlreichen großen Werke, die Schubert in seinem unglaublich produktiven letzten Lebensjahr komponierte und es zählt heute zu den Höhepunkten der romantischen Kammermusikliteratur.
Schon im ersten Satz (Allegro moderato) zeigt sich Schuberts Fähigkeit, aus schlichten Motiven weit gespannte, melodische Bögen zu entwickeln. Das Andante un poco mosso ist von lyrischer Innigkeit geprägt, die aus zarten Klavierfiguren und kantablen Streicherlinien entsteht. Das folgende Scherzo (Allegro) ist voller rhythmischer Energie, Leichtigkeit und wienerischem Charme. Das Rondo-Finale nimmt noch einmal das Grundgefühl des Werkes auf: Lebensfreude, Klarheit und ein feiner, fast spielerischer Optimismus, der sich über jede existenzielle Schwere hinwegzusetzen scheint. Alle drei Instrumente entfalten sich in diesem Trio partnerschaftlich dialogisierend, oft in innigem Zusammenklang, Schubert berührt mit schlichter Schönheit, die Musik scheint jenseits von Zeit und Tod zu spielen und trägt deshalb keine spezifische Widmung.
Ganz anders das Klaviertrio Nr. 2 in e-Moll op. 67 von Dmitri Schostakowitsch: ein Werk voller innerer Spannungen, dunkler Farben und existenzieller Fragen. Es entstand 1944, im letzten Kriegsjahr, unter dem Eindruck des Todes seines engen Freundes Iwan Sollertinski, einem brillanten Intellektuellen und unermüdlichen Förderer von Schostakowitschs Musik. Sollertinskis plötzlicher Tod (offiziell an Herzversagen) erschütterte den Komponisten tief – nicht zuletzt, weil viele seiner Freunde – wie er selbst – unter dem Druck des stalinistischen Regimes standen oder bereits Opfer politischer Verfolgung geworden waren.
Schostakowitsch verarbeitete in diesem Trio nicht nur persönliche Trauer, sondern auch kollektives Leid. Der erste Satz beginnt mit geheimnisvollen Flageolett-Tönen des Cellos – eine fast geisterhafte Klangwelt, wie aus weiter Ferne. Nach und nach treten die anderen Instrumente hinzu, das Thema entwickelt sich in kanonischer Verarbeitung zu einem beklemmenden Ausdruck von Kälte, Einsamkeit und Trauer. Der zweite Satz ist ein groteskes Scherzo, das wie eine Fratze wirkt – aufgeladen mit überzeichneter Vitalität, hinter der sich Angst und Sarkasmus verbergen. Auch in der langsamen Passacaglia herrscht eine bedrückte Atmosphäre, bevor im Finale, von jüdischen Liedern und Tänzen inspiriert, alle vorherigen Spannungen kulminieren und die Musik sich sich zu einem grausamen Tanz unter bitteren Tränen entwickelt.
Programmtext: © Adrian Oetiker
Eintrittskarten: CHF 43.-
Schüler und Studierende: CHF 23.-
Abo für 6 Konzerte 2026: CHF 215.–
Mitglieder der Konzertgesellschaft Klanglichter: CHF 8.- Ermässigung auf Einzeltickets / Abo: CHF 175.–
Türöffnung: 18:30 Uhr
Abendkasse: nur Barzahlung


